A81 Sindelfingen-Ost – Böblingen-Hulb: Operieren an der Verkehrsschlagader
Wer mit dem Auto im Großraum Stuttgart unterwegs ist, braucht Geduld und Nerven. Die A81 bei Sindelfingen und Böblingen gehört seit vielen Jahren zu den klassischen Stauzonen. Seit zwei Jahren wird die Strecke auf über 7 km Länge von vier auf sechs Fahrstreifen ausgebaut – bei laufendem Verkehr. Von den drei großen Baulosen ist STORZ an zweien beteiligt: am 850 m langen Tunnelbauwerk sowie am 4 km messenden Fahrbahnausbau in Richtung Westen. Man operiert hier an einer bedeutenden Verkehrsschlagader des Landes.
Man tut gut daran, langsam und vorsichtig zu fahren auf der Autobahn zwischen dem Sindelfinger Mercedes-Werk und dem früheren Böblinger Flugfeld. Hier, am Baulos 4.2 des Streckenbaus West, welches STORZ zusammen mit seinem ARGE-Partner Eurovia realisiert, teilen sich tausende PKW und LKW eine der ehemaligen Richtungsfahrbahnen; sie quälen sich in beiden Fahrtrichtungen über verengte Fahrstreifen. Konzentration ist gefragt; für eingehende Blicke auf die Bauarbeiten gleich nebenan bleibt keine Zeit.
Beste Kreislaufwirtschaft
Dabei gäbe es hier einiges zu sehen. Beispielsweise die mobile Brechanlage, mit der Manuel Huber den Beton der im August abgerissenen Brücke der Wolfgang-Brumme-Allee zerkleinert. Er produziert in den Tagen des Besuchs im Oktober zusammen mit seinem Kollegen Tomislav Drazenovic Körnungen der Größe 0/45, die kurze Zeit später als Frostschutzschicht für die neuen Fahrbahnen eingebaut werden. „Dies ist eigentlich Kreislaufwirtschaft in bester Form“, kommentiert Bauleiter Patrick Jait, der über die Baustelle führt. Zusammen mit seinem Kollegen Timo Riethmüller und den Polieren Armin Braun und Thomas Wieland koordiniert er die Arbeiten. 50 bis 80 Bauleute sind hier tätig, je nach Bauphase, davon allein zwischen 15 und 20 Storzianer.
Jait hat zu Beginn der Arbeiten die Abbruchmassen der Brücke sowie deren Einsatz als neue Frostschutzschicht durchgerechnet. „12.000 t Beton - das passte eigentlich ganz gut in den aktuellen Abschnitt“, sagt er. „Solch eine Wiederverwendung ist natürlich sinnvoller, als Material von weither heranzutransportieren.“ Nach und nach jedoch sei aus weiteren Maßnahmen immer mehr Beton hinzugekommen. Große Haufwerke zeugen davon. Doch auch diese Massen werde man zweckmäßig einsetzen, da ist sich Jait sicher.
Beton für lange Lebensdauer
Die Führung geht weiter am östlichen Ende dieses Bauloses. Hier sind die Bauarbeiten an der Richtungsfahrbahn Stuttgart bereits weit fortgeschritten. Ein 500 m messender Teil dieser Neubaustrecke soll in diesem Jahr noch fertig werden, erläutert Jait. Dann könne man Anfang nächsten Jahres den Verkehr umlegen und mit den Bauarbeiten auf der anderen Seite der Autobahn beginnen. Obwohl man an der einen oder anderen Stelle insbesondere die Verkehrsführung habe umplanen müssen, liege man gut im vorgesehenen Bauzeitenplan.
Die neuen Fahrbahnen werden aus Beton bestehen. Die Deges als Auftraggeberin erwartet bis 2030 auf dieser Strecke zwischen 100.000 und 150.000 Fahrzeugen pro Tag, darunter viele LKW. Beton halte solchen Belastungen besser stand als Asphalt, erklärt der Bauleiter.
Explosive Überraschungen
Auf dem Weg ans westliche Ende der Großbaustelle fällt ein unterirdisches, leuchtend rotes Durchlassbauwerk auf, welches die Autobahn unterquert. „Die Verdolung des Aischbaches“, erläutert Patrick Jait. „Diese Sanierung realisiert übrigens unsere STORZ-Bauwerkinstandsetzung. Es ist die Abdichtung des Bauwerks, die in der Sonne so rot strahlt.“ BWI-Kollegen sind an diesem Tag nicht auf dieser Baustelle zu sehen.
Dafür ist etwas weiter einiges los. Ein Bohrgerät arbeitet am Ende eines Baufeldes, auf dem eine Großfamilie von Maulwürfen gewütet zu haben scheint. Allerdings sind die dazugehörigen Hügel ungewöhnlich exakt in Reihe angeordnet. Es sind hunderte. „Dies ist die Kampfmittelsondierung“, sagt der Bauleiter. „Die Kollegen bohren in einem engen Raster zwischen 6 und 10 m tief. Oft genug werden sie hier auch fündig.“ Kein Wunder: Das ehemalige Flugfeld und das benachbarte Daimler-Werk waren in den letzten Kriegsjahren bevorzugte Ziele der alliierten Bomberverbände.
Die Arbeit hier ist also nichts für schwache Nerven. Die Kollegen einer Spezialfirma lassen Sonden in die Bohrlöcher hinab, mit deren Hilfe sie im Umkreis Gegenstände aus Metall aufspüren können. Ja, es habe hier bereits explosive Überraschungen gegeben, sagen sie, den einen oder anderen Blindgänger man habe entschärfen können, aber auch Handgranaten aus dem letzten Krieg habe man gefunden. Meistens stoße man aber ganz einfach nur auf Schrott. Sobald eine Sonde angeschlagen habe, müsse man jedoch den Fund mit großer Vorsicht freilegen, nötigenfalls von Hand. „Mir ist erst im Laufe unserer Arbeiten richtig klar geworden, wie wichtig diese Kampfmittelsondierung ist“, räumt Patrick Jait respektvoll ein.
Tunnelausbau ab dem Frühjahr
Wieder einige hundert Meter weiter wird in sogenannte Rüttelstopfsäulen Naturgestein eingebaut. Mit dieser Tiefenverdichtung erhöht man die Stabilität des Untergrundes, der später die Fahrbahnen tragen soll. Auch hier wird es nicht mehr lange dauern, bis betoniert werden kann.
Ab dem Frühjahr konzentrieren sich die Storzianer auch wieder auf das Baulos 3.2.1, also den Tunnel, dessen Bau bereits weit vorangeschritten ist. Dann steht dort nämlich der Innenausbau an.
Informationen zu den Bildern:
A81 – Die Anschlussstelle Böblingen-Sindelfingen wird ausgebaut und umgestaltet.
Kampfmittelsondierung in Sichtweite des ehemaligen Böblinger Flugfeldes: Was aussieht wie Maulwurfshügel ist ein engmaschiges Bohrraster. Mittels Spezialsonden sucht man nach Metallgegenständen im Untergrund.
Das Tunnelbauwerk Mitte November - im Frühjahr will STORZ mit dem Innenausbau beginnen.
Polier Armin Braun und die beiden Bauleiter Patrick Jait und die Timo Riethmüller (v.l.).