B28 bei Bad Urach: Großes Projekt mit kleinem Helfer

Die Berge um Bad Urach bieten in diesen Oktobertagen eine Symphonie der Farben. Die dichten Laubwälder erklingen in der Herbstsonne gelb, rot und grün. Im Tal, zu Füßen der Burgruine Hohenurach, geben Storzianer ein eigenes Konzert, wohl orchestriert aus drei Bereichen: Großprojekte, Niederlassung Sigmaringen und inzwischen auch Bauwerkinstandsetzung. Ihr Leitmotiv ist die Umgestaltung und Erweiterung der B28 zwischen den Knotenpunkten Hochhaus und Wasserfall. Seit kurzem unterstützt sie dabei ein kleiner Helfer im Taschenformat. ViDoc nennt er sich.

Was Musikern Partitur und Metronom ist, bedeutet für Bauleute Plan und Aufmaß. Ohne diese Hilfsmittel zur Orientierung und zur Koordination spielt und baut es sich schlecht. Gegenüber den ganz klassischen Vermessungstechniken haben seit gut 30 Jahren GNSS-Vermessungsstäbe die Arbeiten bei Planung, Umsetzung, Dokumentation und Abrechnung von Baustellen deutlich vereinfacht und beschleunigt. Jetzt bieten „Multi-Measurement Tools“ wie das ViDoc-System dazu Ergänzungen und Alternativen an, welche nochmals höhere Präzision bieten.

Für Polier Klaus Schnitzer, das gibt er zu, sind es in diesen Tagen die ersten Erfahrungen mit dem neuen Gerät, das ihm Vermesser Sebastian Danner geschickt hat. Es ist ein Vorsatzgerät für iPhone oder Smartphone, versehen mit einer zigarrendicken Antenne. Ein wenig erinnert es an ein Satellitentelefon, wie man es in eher unzugänglichen Gebieten verwendet. Seine Box in Signalfarben gibt einem das Gefühl, dass dieses etwas Besonderes sei.

Bauleiter Tim Reichenecker gesellt sich im Freien dazu, als Schnitzer den ViDoc demonstriert. Der Polier visiert auf der im Bau befindlichen Fahrbahn der B28 ein kleines Schachtbauwerk an. Das Gerät fotografiert es. Anschließend legt es ein dichtes Netz an kleinen Dreiecken über das Bild, eine sogenannte „Dreieicksvermaschung“. „Damit kann man Objekte exakt erfassen und vermessen“, erklärt Schnitzer. „Sehr praktisch, wenn es beispielsweise um Haufwerke geht. Mit diesem kleinen Helfer lassen sich Massen genauestens bestimmen und dokumentieren.“

Vermesser Sebastian Danner erklärt Zweck und Hintergrund das ViDoc: „Für die Dokumentation und später natürlich für die Abrechnung von Bauleistungen und Massen setzen wir verschiedene Techniken ein. Unter anderem sind Drohnen dabei sehr hilfreich, weil mit ihrer Hilfe aus einer Vielzahl von Fotos Punktwolken und 3-D-Modelle errechnet werden können. Diese sind für Planer und Abrechner sehr wichtig.“

Der ViDoc arbeite ebenfalls mit Photogrammetrie, dabei aber deutlich näher am aufzunehmenden Objekt als eine Drohne, die er übrigens nicht ersetzen soll. „Die beiden Systeme ergänzen sich. Ein ViDoc ist besonders praktisch beispielsweise bei der Vermessung und Dokumentation von Kanal- bzw. Leitungsgräben. Man läuft mit dem Gerät entlang des Grabens. Es erzeugt dabei mit einer App viele aneinander gereihte Bilder. Diese Daten können später am Computer zu einer Punktwolke bzw. zu einem digitalem Geländemodell weiterverarbeitet werden. Bei kleineren Flächen und Objekten ist das sehr wirtschaftlich. Für größere Flächen jedoch werden weiterhin Drohnen eingesetzt, da arbeiten diese schneller und effizienter, erläutert der Vermesser.

Mit einem ViDoc ließen sich auch bestens Langfristdokumentationen anlegen, exakte Aufzeichnungen also über Bauverläufe. So würden Bauzustände und Arbeitsfortschritte für alle Beteiligten sichtbar und nachvollziehbar.

Das handliche Messgerät erleichtere also die Arbeit, ersetze aber langfristig nicht alle bisherigen Methoden, sondern ergänze sie – insbesondere in schwer zugänglichen Bereichen. Danner: „Der ViDoc befindet sich bei STORZ noch in der Testphase und ist noch nicht lange im Einsatz. Die ersten Erfahrungen jedoch sind durchweg positiv.“

Dies kann Polier Klaus Schnitzer wohl nach seinen ersten praktischen „Gehversuchen“ mit dem kleinen smarten Helfer bestätigen.

 

Informationen zu den Bildern:

 

Eine Symphonie der Farben – die Baustelle B28 bei Bad Urach im Herbst.

 

Ein kleiner digitaler Helfer mit großer Zukunft: der ViDoc. Schüttgutmengen lassen sich so leicht und exakt bestimmen.

 

Das Gerät dient als Vorsatz zu einem iPhone oder Smartphone. Es dokumentiert Objekte fotografisch und fertigt auf Wunsch auch eine Punktwolke zu deren Vermessung an.

 

STORZ-Polier Klaus Schnitzer, hier mit einem klassischen „Rover“, einem GNSS-Vermessungsstab.

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