Feuerwehrübung an der B28: STORZ-Baustelle wird zur Rettungskulisse
Das gibt es auch nicht alle Tage: ein Bauwerk, welches sich nützlich macht, bevor es seinem eigentlichen Zweck übergeben wird. Die Rede ist von dem großen Absetzbecken aus Beton, dem sogenannten Geschiebeschacht, gleich neben der neu angelegten und verbreiterten B28 bei Bad Urach. STORZ trug dazu bei, dass dieser Schacht auf der Großbaustelle Beachtung erfährt, bevor er bald in der Anonymität technischer Bauwerke verschwindet: Er diente Spezialisten der Freiwilligen Feuerwehr Bad Urach als Kulisse für eine simulierte Tiefenrettung.
Dieses große und tiefe Becken, halb im Untergrund versteckt, wird im kommenden Jahr den Besuchern der Landesgartenschau bestimmt nicht mehr auffallen. Und doch ist es ausgesprochen wichtig, denn es dient als Absetzbecken für das Oberflächenwasser, welches von der Bundesstraße zuströmt. Aufgrund der Lage der B28 in Wasserschutzzone II ist jegliches Straßenoberflächenwasser Im Geschiebeschacht zu sammeln und zu reinigen. Hier können Gesteine, Schmutz und Schwebstoffe sedimentieren, bevor dieses Wasser eine zweite Reinigungsstufe erreicht, in der dann Sand als Filter dient - die letzte Station vor der Einleitung in die Erms. Auch dient der Geschiebeschacht als Rückhaltevolumen im Havariefall: Sollte zum Beispiel Öl oder Benzin auf der B28 auslaufen, gelangen diese Flüssigkeiten nicht sofort in die Erms oder ins Grundwasser.
Der Geschiebeschacht - ein Bauwerk von über 6 m Tiefe und insofern sehr geeignet als Übungsort für Spezialisten der Freiwilligen Feuerwehr Bad Urach. „ERHT“ nennt sich diese Sondergruppe - die Abkürzung steht für „Einfache Rettung aus Höhen und Tiefen“. Ihre Aufgabe: Verletzte Personen schnell und sicher aus Bereichen retten, die für normale Einsatzkräfte schwer zugänglich sind. Beispielsweise aus Baugruben, Schächte, Silos, von Baukränen oder von Steilhängen.
In Bad Urach zählt die ERHT-Gruppe rund 20 Mitglieder - Spezialisten unter den insgesamt 150 Feuerwehrmännern und Feuerwehrfrauen, die freiwillig in der Kurstadt diesen wichtigen Dienst versehen. Wer dem ERHT-Trupp angehört, leidet sicherlich nicht unter Höhen- oder Tiefenangst.
Dies trifft auch auf die gut zehn Feuerwehrleute zu, die am Geschiebeschacht realitätsnah die Rettung einer Person aus über 6 m Tiefe simulierten. Das angenommene Szenario: ein Bauarbeiter oder ein Passant ist in den Schacht gefallen und muss schnellstmöglich gerettet werden.
Löschmeister Thomas Schmid, der diesen Einsatz vorbereitet und organisiert hat, erläutert den Hintergrund der Übung: „Wir haben dieses Objekt bewusst gewählt wegen seiner ungewöhnlichen Tiefe - dieser Geschiebeschacht ist ideal für ein solch realitätsnahes Training. Zum Einsatz kamen hier unsere Drehleiter mit der entsprechenden Rettungstechnik und die Variante mit dem sogenannten Zweibein. Wichtig für uns ist es, eine mögliche Unfallrettung so wirklichkeitstreu wie möglich nachzustellen und zu üben. Von Seiten der Kollegen kam ausgesprochen positives Feedback, und dafür danken wir sowohl dem Regierungspräsidium und ganz besonders STORZ.“
Ein Lob, das STORZ-Bauleiter Tim Reichenecker sicherlich gerne hört. An ihn hatte sich nämlich die zuständige Projektleiterin des Regierungspräsidiums Tübingen, Lea Sophie Vogelsang, gewendet mit der Bitte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Urach, diesen Geschiebeschacht nutzen zu dürfen. „Das haben wir natürlich gerne ermöglicht. Dieses Bauwerk ist noch nicht abgenommen von Auftraggeberseite; insofern sind wir noch die ‚Hausherren‘. Wenn wir den Kolleginnen und Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr helfen können, tun wir das selbstverständlich sehr gerne.“
Wie gesagt: Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein Bauwerk schon nützlich gemacht hat, bevor es seinem eigentlichen Zweck übergeben wurde.