Großbaustelle B28 bei Bad Urach: Kritische Töne beim Besuch des Bundesministers für Verkehr
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat kurz vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg die Großbaustelle an der B28 bei Bad Urach besucht. Der CDU-Politiker informierte sich vor Ort über das 23-Mio.-Euro-Projekt, welches im Vorfeld der Landesgartenschau 2027 die schwäbische Bäderstadt vom erheblichen Verkehrsaufkommen entlasten soll. Seit Frühjahr 2025 setzt STORZ die umfangreichen Tief- und Straßenbauarbeiten um. Firmenchef Georg Graf Kesselstatt sparte gegenüber dem Besucher aus Berlin bei dieser Gelegenheit aus Sicht seines Unternehmens, aber auch der Bauwirtschaft nicht mit Kritik an der Bundesregierung.
Der Verpflichtung zur politischen Neutralität des Regierungspräsidiums geschuldet war STORZ als Auftragnehmerin der Baumaßnahme kurzerhand in die Gastgeberrolle geschlüpft, um diesen Besuch des Bundesverkehrsministers und CDU-Politikers kurz vor den Wahlen zu ermöglichen. Zusammen mit zahlreichen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern beging Schnieder die Baustelle zwischen den Knotenpunkten „Wasserfall“ und „Hochhaus“. Die Gäste ließen sich von STORZ-Bauleiter Tim Reichenecker das ausgesprochen komplexe Bauprojekt erklären.
Man sei durchaus im Zeitplan, stellte Reichenecker fest, nicht zuletzt dank der milden Witterung im Januar. Die Winterpause sei trotz Schneefalls erfreulich kurz ausgefallen. Inzwischen habe man den nördlichen Teil der Bundesstraße zwischen den beiden Knotenpunkten fertigstellen und den Verkehr darauf verlegen können. Die südliche Fahrbahnhälfte solle im Februar noch asphaltiert werden. Vorausgegangen seien komplizierte Drainagearbeiten, weil man sich hier in einem besonderen Wasserschutzgebiet befinde, so Reichenecker. Eine große Retentionsfilteranlage, welche die Gäste auch besuchten, gab einen Eindruck von den Mengen an Oberflächenwasser, welche hier zu erwarten sind.
Am Knotenpunkt „Hochhaus“ wird sich die B28 künftig gabeln. Die Brücke, welche heute noch die Bundesstraße über die Erms an Bad Urach vorbeiführt, wird abgerissen. Diese neue Verkehrsführung erforderte die Anlage einer ca. 200 m langen hohen Beton-Stützmauer zur Absicherung der dahinter verlaufenden Bahnstrecke. Auch sie sei inzwischen im Rohbau fertiggestellt und warte auf ihre Verkleidung mit Natursteinen, wie STORZ-Bauleiter Reichenecker erläuterte.
Bundesverkehrsminister Schnieder zeigte sich beeindruckt von dem Projekt und seiner Umsetzung durch die Bauleute. Er sprach von einer „großen Aufwertung der Stadt“ in Verbindung mit der Landesgartenschau. Hier werde Zukunft gestaltet.
Vor dem Gang über die Baustelle hatte Georg Graf Kesselstatt, Geschäftsführender Gesellschafter bei STORZ, den Gästen seine Unternehmensgruppe präsentiert. STORZ mit seinen 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Umsatz von 200 Mio. Euro sei eines der typischen mittelständischen Unternehmen, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildeten. Allerdings mache es Berlin und Brüssel gerade solchen Mittelständlern sehr schwer durch Bürokratie und Besteuerung. Vieles sei von der Politik auf große Konzerne und nicht auf den Mittelstand zugeschnitten.
Kesselstatt kritisierte außerdem, dass von dem milliardenschweren Sondervermögen zur Ertüchtigung der Infrastruktur nur wenig bei Bau-Unternehmen wie dem seinen ankämen. Investitionen durch die nach wie vor finanzschwachen Kommunen ließen weiterhin auf sich warten.
Kritikpunkte, welche Bundesminister Schnieder aus seiner Sicht zurückwies. Die Milliarden aus dem sogenannten Sondervermögen stünden zur Verfügung und für die Finanzausstattung der Kommunen sei er nicht zuständig, erwiderte er.
Informationen zu den Bildern:
B28 bei Bad Urach, Knotenpunkt „Wasserfall“: Die nördliche Fahrbahnseite ist bereits ausgebaut und wird befahren. Rechts die große Retentionsfilteranlage.
STORZ-Bauleiter Tim Reichenecker (2.v.l.) erläuterte Bundesminister Patrick Schnieder (2.v.r.) und den Gästen die Großbaustelle.
Der Knotenpunkt „Hochhaus“ - hier wird die B28 künftig entlang der Bahnlinie geführt. Die Brücke über die Erms wird abgerissen.
STORZ-Firmenchef Georg Graf Kesselstatt sparte nicht mit Kritik gegenüber dem Bundesverkehrsminister.