L207 Ellenfurt – Echbeck: Klein-Venedig am Waldesrand?
Was hat diese schmale Landesstraße 207 zwischen Ellenfurt und Echbeck mit Venedig gemeinsam? Nicht viel - es sei denn ein Feuchtigkeits- und damit ein Stabilitätsproblem. Die Venezianer haben vor vielen hundert Jahren dazu die richtige Lösung gefunden, indem sie Holzpfähle in den Grund ihrer Lagune rammten, auf denen sie schließlich ihre wunderbare Stadt solide errichteten. STORZ machte es im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen ähnlich, allerdings in diesem Fall mit Rammpfählen aus Beton.
STORZ-Bauleiter Severin Mader und sein Gast finden es schon amüsant, eine Baustelle zu besuchen, auf der gerade nichts los ist. Naja, meint Mader, der zu diesem Zeitpunkt Ende September seinen Kollegen Domenico Lovecchio vertritt, die Mitarbeiter der österreichischen Spezialfirma seien gerade fertig geworden in diesem Bereich und deshalb schon abgezogen. Eine große Pfahlramme zeugt davon, dass bis vor kurzem hier kraftvoll gearbeitet wurde, ebenso einige übriggebliebene Rammpfähle am Wegesrand. Sie warten darauf, von den Spezialisten der Firma Porr im Auftrag von STORZ in die Erde getrieben zu werden.
Doch auch ohne laufenden Baubetrieb wird das Problem deutlich: Der dicht bewaldete Hang schiebt die Landesstraße vor sich her. Auf dieser Anhöhe entspringen zahlreiche Bäche, das Erdreich ist also durchfeuchtet. Niederschläge im Frühjahr 2024 verstärkten dies noch. Mit den Rammpfählen will man ein weiteres Abrutschen der Straße verhindern.
Bis zu 8 m lang sind diese Betonpfähle, 40 X 40 cm messen sie in Breite und Tiefe. Sie bestehen aus besonders hochwertigem Beton und haben im Inneren eine massive Stahlbewehrung. Mader: „Diese Pfähle sind so widerstandsfähig, dass keine Löcher im Erdreich vorgebohrt werden müssen. Sie werden direkt in den Boden getrieben.“ Die ersten zwei oder drei Meter sei der Boden so weich, dass sie ohne großen Kraftaufwand ins Erdreich glitten. Erst dann arbeite die Ramme mit ihrem Hammerkopf mit erhöhtem Energieaufwand.
Wie dies vor sich geht, erkennt man an den bereits verbauten Pfählen. Ca. 1 m tiefe Löcher - im Abstand von 1,5 m und auf Lücke - zeigen, wo bereits Pfähle im Boden stecken. An vier Schadstellen werden insgesamt rund 600 Rammpfähle verbaut. 55 Sattelzüge liefern sie an. Zusammen mit einem weiteren Auftrag auf der L207, der Hangsicherung Echbeck, Luftlinie 300 m entfernt, ist dies ein Auftrag im Wert von knapp 3 Mio. Euro.
„Sobald die Betonpfähle hier in den Boden gerammt sind, wird ein Erdplanum hergestellt“, erläutert der Bauleiter weiter. „Dann folgt ein Geovlies, auf dem wir eine Frostschutzschicht aus Schotter oder Kies und darauf später den neuen Asphaltoberbau, also die Fahrbahn aufbauen.“
Es bestehe ein großer Unterschied zu Bohrpfählen, erklärt Mader. Auch diese dienten der Stabilisierung eines Untergrundes, würden aber vor Ort hergestellt: In ein Bohrloch würde ein Bewehrungskorb eingelassen und anschließend mit Beton ausgegossen. Dieses Verfahren eigne sich auf der L207 jedoch nicht, da der Untergrund so instabil sei, dass selbst eine verrohrte Bohrung hier nicht realisierbar wäre. Es sei eben die klassische Rammpfahl-Methode, die hier in dieser schwäbisch-alemannischen Idylle zum Einsatz komme und für Stabilität sorgen solle - Innovation trifft auf archaische Kraft. Ganz wie vor vielen hundert Jahren in Venedig.
Informationen zu den Bildern:
Eine große Pfahlramme zeigt, dass auf der L207 Stabilisierungsarbeiten im Gange sind.
Bauleiter Severin Mader erklärt, wie Rammpfähle ins feuchte Erdreich getrieben werden.
Im Abstand von anderthalb Metern und auf Lücke werden die Pfähle gesetzt.
Bis zu 8 m lange Betonpfähle warten auf ihren Einbau.