Markdorf Riedheimer Straße: Infrastrukturbau in Rekordtempo

So etwas passiert nicht häufig: Eine Baustelle wird fünf Wochen früher fertig als geplant. In Markdorf ist genau dies geschehen: Ende Oktober konnten die Stadt und der Landkreis Bodenseekreis die Riedheimer Straße oder K7742 nach nur sieben Monaten Bauzeit wieder für den Verkehr freigeben. Die beliebte Verbindung zwischen Markdorf und Friedrichshafen-Raderach wird demnächst zudem die neue Kreis-Straßenmeisterei sowie ein geplantes Neubaugebiet versorgen. Unter der Bauleitung von Domenico Lovecchio realisierten die Poliere Alexander Hache und Marco Stetter mit ihrem Team diesen Infrastrukturbau im Rekordtempo.

Im Markdorfer Volksmund heißt diese Strecke etwas despektierlich, aber durchaus zutreffend „Müllstraße“. Immerhin verbindet sie die Stadt am Gehrenberg auch mit dem Entsorgungszentrum Weiherberg auf halbem Weg nach Friedrichshafen. Als Ausweichroute ins Industriezentrum am Bodensee ist sie insbesondere zu Arbeitsbeginn und Feierabend bei Pendlern gefragt. Entsprechend unangenehm wurde ihre mehrmonatige Sperrung empfunden.

„Die ist jetzt vorbei“, freut sich Alexander Hache. „Wir hatten gutes Wetter und vor allem ein ausgezeichnetes Team. Vieles hängt bei solchen Bauprojekten besonders von den Maschinisten ab.“ In der Tat wurden hier umfangreiche Erdarbeiten erledigt. So hat man nicht nur den bereits vorhandenen sogenannte Schneider-Kreisel um- und ausgebaut, sondern auch einen zweiten Kreisverkehr mit Abzweig nach Riedheim angelegt. Zu Füßen der Riedheimer Kapelle dürfte der Verkehr also künftig besser fließen.

Dies wird auch nötig sein, denn die bisherige Idylle aus Obstplantagen und Feldern wird verschwinden. Nördlich der Straße weicht eine große Apfelbaum-Pflanzung dem künftigen Neubaugebiet Klosteröschle, südlich werden Wertstoffhof, Bauhof und Straßenmeisterei des Kreises angesiedelt. Die unterirdische Infrastruktur mit Kanälen und mehreren Kilometern Versorgungsleitungen für Wasser, Strom und Daten haben die Storzianer dafür geschaffen.

Polier Alexander Hache: „Hier haben wir erhebliche Kanalbaumaßnahmen erledigt, die man natürlich alle nicht mehr sieht. Wir haben im Untergrund ein komplettes Kanalsystem mit Absetzbecken, Sammelschächten und Rohren verbaut, sowohl für das Neubaugebiet als auch für die kommunalen Einrichtungen.“ Nicht ganz einfach sei die Umverlegung zweier 20-KV-Leitungen gewesen.

Neu ist ein ca. 360 m langer Radweg entlang der Kreisstraße. Er unterquert sie mit einem großzügigen, 4 m breiten Durchlass, der allerdings nur Radfahrern und Fußgängern vorbehalten bleibt. Das bisherige Bauwerk habe man mit schwerem Gerät entfernt und eine große Mulde quer durch die gesperrte Riedheimer Straße gegraben. Ein Nachunternehmer habe schließlich die neue Unterführung aus Wellstahl mit 5.000 Schrauben montiert, berichtet Hache. Dann sei das Ganze wieder schichtweise überschüttet worden. Diese Überschüttung eines Wellstahldurchlasses erfordere eine sorgfältige Planung und Ausführung, da die Tragfähigkeit des Durchlasses maßgeblich vom umgebenden Boden und der korrekten Verdichtung abhänge. Hier seien in der abschließenden Vermessung nur Abweichungen im Millimeter-Bereich festgestellt worden. Dies hätte auch einem Uhrmacher zur Ehre gereicht.

Beim Ausbau der alten Kreisstraße hätten die Kollegen die Bestandsaufnahme und die historische Bausubstanz besonders genau berücksichtigen müssen, erläutert der Polier. „Es gab hier Abschnitte, bei denen jahrelang nur Schlaglochreperaturen durchgeführt wurde. Hier sei die PAK-Belastung (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) im Oberbau sehr hoch gewesen. Hache: „Wir mussten streckenweise bis zu 40 cm Material entfernen und fachgerecht entsorgen.“

Trotz der vielfältigen Herausforderungen haben die Storzianer dieses Bauprojekt im Auftragswert von 1,8 Mio. Euro in Rekordzeit realisiert.

 

Die beteiligten Bauleute: Domenico Lovecchio (Bauleiter), Alexander Hache, Marco Stetter (Poliere), Jonas Frey, Steffan Hauk, Sevko Biserovic, Thomas Gaukel (Maschinisten), Alexander Hertle, Kilian Mai, Pierre Jurkovic (Facharbeiter), Raffael Michel, Manuel Lovecchio (Auszubildende).

 

Informationen zu den Bildern:

 

Der neue, zusätzliche Kreisel an der Riedheimer Straße in Markdorf. Links entstehen die kommunalen Einrichtungen.

 

STORZ-Polier Alexander Hache. Die Obstplantage hinter ihm muss einem Neubaugebiet weichen.

 

Der neue Wellstahl-Durchlass für Radfahrer und Fußgänger unter der Riedheimer Straße.

 

In Rekordzeit haben die Storzianer dieses Projekt zu Füßen der Riedheimer Kapelle realisiert.

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