STORZ-Abbaustätte Brigachtal-Klengen: Vom Steinbruch zum Naherholungsgebiet

Es ist ein langer Weg, aber er lohnt sich: Die Renaturierung und Rekultivierung von Abbaustätten birgt enorme Potenziale für die Lebensqualität von Menschen und für den Schutz der Natur. Der STORZ-Steinbruch in Brigachtal Klengen soll in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine solche Verwandlung von einer Rohstoffgewinnungsstätte zu einem Naherholungsgebiet und Biotop erfahren, gleichzeitig aber auch gewerbliche und landwirtschaftliche Aufgaben übernehmen. Das Konzept für diese grundlegende Umgestaltung stellte STORZ jetzt dem neugewählten Gemeinderat in Brigachtal vor.

Ein Kilogramm pro Stunde - so viel verbraucht jede Bürgerin und jeder Bürger an mineralischen Rohstoffen, statistisch gesehen. Mit dieser interessanten und für so manche überraschenden Hintergrundinformation leitete Christian Rebmann, Geschäftsführer von STORZ Baustoffe, seinen Vortrag vor dem kommunalen Gremium ein: „Wir benötigen mineralische Rohstoffe für den Hochbau wie für den Infrastrukturbau gleichermaßen. Aber die wenigsten wissen, dass in jeder Glasflasche oder sogar in Zahnpasta Gesteine stofflich vorhanden sind. Steine sind unverzichtbar.“ Die Lehre daraus: Gewinnungsstätten für Rohstoffe sollten nicht als lästiges Übel gesehen werden, sondern als Lagerstätte für Bodenschätze, die dringend benötigt werden.

Gleichzeitig könnten ehemalige Abbaustätten im Zuge von Rekultivierungen und Renaturierungen zu wertvollen Kleinodien werden, wie sie in unserer intensiv genutzten Landschaft nur noch selten vorkämen. Eine solche Chance bestehe für den STORZ-Steinbruch in Brigachtal-Klengen, in dem 60 Jahre lang Muschelkalk abgebaut wurde.

2017 sei der Abbau aufgrund fehlender Erweiterungsflächen eingestellt worden, erläuterte Rebmann. Seitdem wurden Teile des Geländes zur Zwischenlagerung und zur Verarbeitung von Mineralstoffen genutzt. Vor sechs Jahren habe die endgültige Rekultivierungsplanung begonnen, der 2023 die Genehmigung durch die zuständigen Behörden erteilt wurde. Ziel sei es, das Gelände schrittweise in eine ökologisch vielfältige Kulturlandschaft umzuwandeln.

Dr. Michael Bliedtner, Beratender Geowissenschaftler, begleitet diese Metamorphose der knapp 20 ha großen Fläche planerisch. Man wolle hier eine ausgesprochen interessante Mischung aus ökologischer Aufwertung, landwirtschaftlicher und forstlicher Nutzung sowie auch aus Naherholung und Umweltbildung herstellen, so Bliedtner. Angedacht seien auch eine gewerbliche und wohnliche Entwicklung des Geländes: „Dies alles ist ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen und entwickeln wird. Manche Teile des Areals werden so erhalten, wie sie heute bereits sind, etwa die Abbauwand des Steinbruchs. Andere müssen zunächst geformt und angeglichen werden.“

Christian Rebmann: „Voraussetzung dafür ist die teilweise Verfüllung des Steinbruchs mit Bodenmassen. Sie erfolgt etappenweise und wird nach aktuellen Prognosen noch rund zehn Jahre in Anspruch nehmen. Parallel dazu wächst aber bereits die neue Landschaft.“

Und diese soll ausgesprochen vielfältig sein. So sei geplant, auf über 8 ha stabilen Mischwald zu entwickeln und ein nachhaltiges Ökosystem zu schaffen. Über 5 ha sollen der Landwirtschaft zurückgegeben werden und als produktive Böden zur Verfügung stehen. 6,3 ha sollen für den Naturschutz bereitgestellt werden.

„Uns liegt ganz besonders die ökologische Aufwertung dieses ehemaligen Steinbruchs am Herzen“, fügt Christian Rebmann hinzu. „Es wird zwei große Feuchtbereiche geben, ebenso Magerwiesen und Sukzessionswälder. Diese sind wichtige Lebensräume für Amphibien, aber auch für Vögel wie den Uhu oder seltene Pflanzen. All dies soll für die Öffentlichkeit einsehbar sein und dokumentiert werden. Wir planen deshalb einen Naturlehrpfad mit Aussichtspunkten, der für Bürger, Schulen und Vereine sehr attraktiv werden dürfte. Unser ehemaliger Steinbruch soll insofern auch zur Naherholung dienen.“

Insgesamt sei die Umwandlung des STORZ-Steinbruchs in Klengen ein Leuchtturmprojekt, welches exemplarisch zeige, dass verantwortungsvolle und variantenreiche Rekultivierung wirtschaftliche Nutzung, ökologische Verantwortung und regionale Entwicklung miteinander verbinden könne, so Christian Rebmann vor dem Gemeinderat.

 

Informationen zu den Bildern:

 

Der STORZ-Steinbruch in Brigachtal-Klengen auf einem Orthofoto, welches zu Vermessungszwecken dient. Die 20 ha sollen in den nächsten Jahren grundlegend umgestaltet werden. Geplant sind Bereiche für Naturschutz, Naherholung, Landwirtschaft und gewerbliche Nutzung.

 

Um der Landschaft ihren endgültigen Charakter geben zu können, müssen viele Flächen noch mit Bodenmassen verfüllt werden.

 

Die ehemalige Abbauwand des Steinbruchs soll erhalten werden und dem Naturschutz dienen.

 

Hier finden Vögel wie Uhus und Schwalben Nistplätze und Unterschlupf.

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